Offenbach Post - Artikel zum Jubiläum

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Schule feiert zehn Jahre mit offenen Türen

Montessori bekommt neue Klassenräume zum Jubiläum

 

 

Mühlheim - Im Teenageralter ist sie noch nicht. Aber schon ordentlich gewachsen. Die Montessori-Schule wird zehn Jahre alt. Zum Jubiläum plant sie eine Erweiterung. Dabei hilft erneut die Familie Zach. Von Christian Wachter

Die Montessori-Schule an der Carl-Zeiss-Straße braucht mehr Platz. Um mehr als 100 Prozent ist die Schülerzahl allein in den letzten fünf Jahren gestiegen, von 65 auf 140. Deshalb soll auf der Ostseite ihres Geländes, in direkter Nachbarschaft zur Kulturhalle Schanz, eine Erweiterung hin. Auf 300 Quadratmetern wird dort unter einem Flachdach Platz für zwei große Klassenräume und einen Fachraum sein. Spätestens Ende 2017 soll alles bezugsfertig sein. Im Idealfall, sagt die pädagogische Leiterin Brigitte Johannsen, klappe es schon zum neuen Schuljahr. Die Erweiterung wird der Schule von ihrem Vermieter, dem Ehepaar Erika und Hans Günter Zach ebenso zur Verfügung gestellt wie zusätzliche Flächen für den Schulhof.

Die Pläne könnten passender kaum kommen. Denn die Schule, bei der mittlerweile 30 Menschen Arbeit gefunden haben, feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. „Eigentlich sollte es ja nur eine Grundschule werden“ sagt das Gründungsmitglied des Fördervereins Mainbogen, Kathrin Schäfer. „Aber nach zwei Jahren Erfahrung im Schulbetrieb haben wir uns mehr zugetraut.“ Heute gibt es an der Grund- und Gesamtschule zehn Klassenstufen. Wobei es das Wort „Klasse“ gar nicht so richtig trifft. In sogenannten Lerngruppen werden jeweils die Kinder zweier oder dreier Jahrgänge in einem Raum unterrichtet. Der älteste Jahrgang wechselt am Ende eines Schuljahrs in die nächst höhere Stufe, ein jüngerer rückt nach. Eine leistungsabhängige Versetzung gibt es nicht.

Gerade für die ABC-Schützen, erzählt Johannsen, habe dieses Konzept den Vorteil, dass sie in Gruppen kommen, wo schon andere Kinder seien. „Die Regeln sind also schon existent, die Kleinen schauen sich bei den Großen ab, wie sie arbeiten und sich strukturieren können.“ Generell versuche man, den Schülern Eigenverantwortung beizubringen und eine realistische Selbsteinschätzung. „Montessori, das ist eine Haltung.“ Angst vor dem Zeugnis muss beim Montessori-Konzept niemand haben. Zumindest bis zum achten Lernjahr gibt es nämlich weder Prüfungen noch Noten. Dafür aber einen ausführlichen individuellen Bericht am Ende des Schuljahrs. Für Dr. Anja Lyssy, Mutter zweier Montessori-Kinder und im Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, das deutlich bessere Konzept: „Diese Bewertung ist viel umfangreicher als Noten, ich bin überrascht, wie gut die Lernbegleiter die Schüler kennen.“

Dass sich die Eltern einbringen, ist an der Schule die Regel und nicht die Ausnahme. Das Engagement ist sogar in den Verträgen verankert: 40 Stunden im Jahr Arbeitszeit sollte jeder investieren, der sein Kind auf die Montessori-Schule schicken möchte. Dabei kann sich jeder ganz nach seinen Kompetenzen einbringen: „Ob IT, Pressestelle oder Handwerk, so haben wir Profis aus vielen unterschiedlichen Bereichen“, sagt Lyssy. Gudrun Kahlen, Mutter und zuständig für die Pressearbeit, bekräftigt sie: „Zusammen lässt sich Vieles stemmen, wenn man voll dahinter steht.“

Hausaufgaben gibt es nicht, dafür mehr Unterricht am Mittag. Und auch die Lehrer- beziehungsweise Lernbegleiterrole ist nicht ganz die, die man von staatlichen Schulen kennt. So sollen Montessori-Pädagogen eher beraten, anleiten und anregen. Es liegt an ihnen, herauszufinden, wie viel Freiheit ein Kind benötigt, um sich gut zu entwickeln. Für Johannsen, die vormals in einer staatlichen Schule arbeitete und so den direkten Vergleich hat, die bessere Variante: „Es ist eine unglaublich befriedigende Arbeit, bei der man sich zwar etwas verschleißt, aber sehr viel zurück bekommt.“

Um ein Konzept, das auf Autoritäten verzichten will, handelt es sich aber nicht. „Kinder brauchen Klarheit, müssen aber auch klare Grenze haben und etwas Sinnvolles zu tun bekommen, sollten sie diese übertreten“, betont die pädagogische Leiterin. Staatliche Anforderungen werden auch anderweitig erfüllt. Insgesamt zehn Jugendliche erhielten am Ende des letzten Schuljahres einen Haupt- oder Realschulabschluss, sieben von ihnen wechselten in die gymnasiale Oberstufe anderer Schulen.

Ihr Jubiläum feiert die Montessori-Schule am Samstag, 19. November, ab 10.30 Uhr in der Kulturhalle Schanz (Carl-Zeiss-Straße 6). Ein von Schülern präsentiertes Programm zeigt, was die Schule bisher erreicht hat und wie es um die Zukunftspläne bestimmt ist. Im Anschluss, gegen 13.15 Uhr, führt Brigitte Johannsen durchs Schulhaus. Von 14 bis 17 Uhr sind beim Tag der offenen Tür dann alle willkommen, die die Pädagogik und Atmosphäre der Schule und die Backkünste der Montessori-Eltern kennenlernen möchten.