Schule in der Presse

September 2017, Offenbach Post

 

 

Mühlheim - Seit ihrer Eröffnung vor elf Jahren ist die Montessori-Schule Mühlheim stetig gewachsen. Jetzt weihte die Schulgemeinde mit einer akademischen Feier ein weiteres Gebäude ein, für das auch Vermieter Hans-Günter Zach kämpfte. Von Michael Prochnow

 

Der eingeschossige Flachbau entstand auf einer Fläche von 300 Quadratmetern hinter dem privaten Museum der Familie Zach. Er bietet zwei etwa 85 Quadratmeter große Klassenräume für die beiden „grünen Gruppen“, Schüler der Jahrgangsstufen sieben bis zehn. Dazu hat Architektin Kirsten Becker aus Oberursel einen 60 Quadratmeter großen Fachraum eingeplant, sanitäre Einrichtungen und Platz für die Spinde der Teenager.

 

Wegen der Bahnlinie in unmittelbarer Nähe mussten Fenster eingebaut werden, die Geräusche bis zu 46 Dezibel fernhalten. Auf der Südseite übernimmt Mineralwolle anstelle von Styropor die Wärmedämmung: Sie übernimmt auch eine Brandschutzfunktion. Die ist ebenfalls vorgeschrieben, weil das Museum nur wenige Meter entfernt ist, erläutert die Fachfrau. Durch die Erweiterung gewann auch der Schulhof: Auf der Ostseite hat Kunst-Sammler Zach einen Skulpturengarten errichtet.

 

Das Bauwerk stand nach nur fünf Monaten. Allerdings nahm die Vorbereitung fünf Jahre in Anspruch. Die Baubehörde beim Kreis Offenbach befürchtete nach Bohrungen, dass giftiges Kieselrot im Boden verborgen liege, der Kampfmittelräumdienst vermutete Blindgänger aus dem Krieg. Erst ein Beleg aus dem Jahre 1962 brachte Sicherheit: Er dokumentiert, dass die Bahn die Aufschüttung von fast drei Metern Höhe vorgenommen hat.

 

Die private Einrichtung besuchen aktuell rund 150 Schüler, informierte Anja Lyssy vom Trägerverein Montessori Mainbogen. Im Jubiläumsjahr 2016 haben die ersten Abgänger ihre Abschlüsse an der Friedrich-Ebert-Schule abgelegt. Etwa 30 Lehrkräfte unterrichten sechs altersgemischte Lerngruppen. Die Sprecherin dankte dem damaligen Vorstandsmitglied Thilo Schäfer, der mit Vermieter Zach viele lange Nächte für das Projekt Erweiterung verbracht habe.

 

Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD) informierte, dass der Kreis als Schulträger fast 100 Millionen Euro im Jahr für die Erhaltung der Schulen ausgebe, „das ist uns ein ganz wichtiger Posten“. Die Vielfalt der Schullandschaft sei „ein hohes Gut und ein Standortvorteil für die gesamte Region“, meinte er, „Eltern sollen ein Wahlrecht haben haben und die Schulform nutzen können, die für ihr Kind am besten ist“. Müller überreichte Schecks vom Kreisausschuss und dem Verwaltungsrat der Sparkasse Langen-Seligenstadt.

 

Für Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter (SPD) ist der Neubau ein „in Stein gefasster Beweis, dass Ideen mit viel Enthusiasmus, Leidenschaft und Beharrlichkeit ein absolutes Erfolgsmodell“ seien. Hans-Günter Zach sei ein „Glücksfall für die Stadt“.

 

Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) erkannte, „Begeisterung macht Schule“, es verlange aber auch Motivation, sich im Bildungswesen zu engagieren. Für die neuen Räume brachte er eine Wanduhr mit, sie soll anregen zurückzublicken. „Sie können sich jederzeit der Unterstützung der Stadt sicher sein“, bestätigte der Rathauschef. Die Zahlen sprechen für das Konzept, erkannte Susanne Meißner vom Schulamt. Derzeit wüchsen aber alle Schulen in Stadt und Kreis. Sie berichtete von einem regen Austausch, „wir lernen und profitieren voneinander“. Die Räumlichkeiten spielen eine wichtige Rolle, Kinder verbringen viel Zeit in der Schule. Wichtig sei darum, dass sie sich wohlfühlen. Die helle und freundliche Ausstattung sei ein „guter Ort für Bildung und Erziehung“

 

Brigitte Johannsen, Schulleiterin und Mitbegründerin, Herz und Seele der Montessorischule, plädierte dafür, Kindern Raum zu lassen, zu zeigen, was sie können und wollen: „Kinder suchen und finden ihre eigenen Lösungen“ auf dem Weg zum selbstbewussten Erwachsenen. Sie brauchen Selbsterfahrung und -bestätigung, „damit sie die Welt verantwortungsvoll mitgestalten können“.

 

Die grüne Gruppe präsentierte von der Klassenfahrt ein Video als Nachrichtensendung, die Jüngsten gleiteten die Feier mit flotten Chorbeiträgen.