Nachdenkliches aus der Grünen Gruppe

Nachdenkliches aus der Grünen Gruppe

Die Wäscheleine mit den Themen für die montäglich stattfindenden Diskurse wird immer mehr bestückt. Die Schüler stoßen in ihrem Alltag ständig auf Ungereimtheiten, Rätselhaftes oder Nachdenkliches worüber es sich lohnt zu diskutieren. Einerseits sind es Fragen wie: „Warum ist Kaugummikauen an unserer Schule verboten?“ oder „Ist Mathematikunterricht sinnvoll, wenn ich doch jederzeit Zugriff auf einen PC oder Taschenrechner an meinem Handy habe?“, durchaus aber auch Fragen zum aktuellen politischen Geschehen, wie: „Sollte Deutschland noch mehr Flüchtlinge aufnehmen?“. Ich bin sehr gespannt auf die Diskussionsrunden und wie die doch sehr unterschiedlichen Themen die Schüler berühren. Ganz unauffällig landete ein Themenzettel an der Wäscheleine, der mich sehr nachdenklich stimmte. „Meine Eltern haben jeder ein Smart Phone, Tablet, e-book-Reader und wie das alles heißt. Dauernd tragen sie es bei sich, sind immer erreichbar. Manchmal nutzen sie (ich auch) Tablet und Smart Phone gleichzeitig oder ´so nebenbei´. Es gibt kaum eine Zeit ohne diese Dinger – bei mir ist das ähnlich. Wie schaffe ich es, dass sie wieder mehr mich ansehen und weniger auf einen Bildschirm? Welchen Sinn haben diese Sachen, wenn sie uns doch nur weiter voneinander entfernen?“ Eine sehr philosophische Frage. Der technische Fortschritt, der den Alltag erleichtern soll, aber der Besinnung auf sich selbst und auf seine Mitmenschen (vielleicht?) stark einschränkt. Mich erinnerte das an meine letzte Bahnfahrt mit meiner Tochter nach Hamburg:

Ein neuer Fahrgast steigt ein, setzt sich an unseren Tisch. Wobei, er setzt sich an unseren Tisch ist stark untertrieben. Im Hinsetzen holt er schon seinen Laptop raus, klappt ihn auf, schaltet ihn ein, nimmt das Ladegerät, fragt mich wo die Steckdose ist, steckt den Stecker ein, telefoniert währenddessen mit dem Handy, checkt seine Mails, stellt plötzlich seinen Coffee to go und einen Obstshake auf dem Tisch ab, telefoniert immer noch, verschickt Mails, beginnt nebenher eine Zeitung aus seiner Jacke zu holen und beendet dann, bevor der Zug überhaupt losgefahren ist, sein Telefonat mit den Worten : „Ich bin im Zug und die ganze Zeit erreichbar. Mache ohnehin gerade nichts.“

Ich denke, für das, was dieser Mann allein während des Einsteigens in einen Zug macht, brauche ich ungefähr anderthalb Wochen. Ich schaue fasziniert dabei zu , wie er jetzt gleichzeitig isst, tippt, liest, trinkt, etwas auf seinem iPod hört und, wie gerade erwähnt, ganz nebenbei auch noch nichts tut.[1] Der Kommentar meiner Tochter war „Der wird wohl nicht mit uns Karten spielen“. (Ihm entgeht also eine Runde Kartenspielen mit zwei netten, jungen Damen :-) )

Vielleicht ist es ganz gut, die Eile und Hektik ein wenig zu reduzieren und zu versuchen ganz bei einer Sache zu sein. Möglicherweise unterschätze ich auch die Multitasking-Fähigkeit mancher Menschen und projiziere meine Unfähigkeit in dieser Kompetenz auf andere Mitmenschen. Eins kann ich aber sagen: Kinder nehmen es wohl wahr, wenn sie nicht unsere volle Aufmerksamkeit bekommen. Ein Gespräch ist auch nur halb so tiefgründig, wenn man nebenher Anrufe entgegennimmt oder etwas am PC schreibt.

Klar ist das im Alltag nicht immer umsetzbar, aber vielleicht ein kleiner Anstoß zum Nachdenken. :-)

Isabell (Lernbegleiterin in der Grünen Lerngruppe)




[1] Horst Evers lässt grüßen ;-)