Eindrücke aus den ersten Schulwochen

Eindrücke aus den ersten Schulwochen

Nachdem nun die ersten vier Wochen der Schulzeit unserer Tochter ins Land gegangen sind, bin ich unglaublich froh und auch erleichtert über unsere Entscheidung, uns genau für diese Schule entschieden zu haben. 

Zugegeben, es ist eine Menge Arbeit für die Eltern, mehr, als das an einer Regelschule der Fall wäre: Putzdienste für den Lerngruppenraum des eigenen Kindes, zahlreiche Elternabende, Elternschulungen, Arbeitsstunden, Eigeninitiative....... Da zuckt man doch erstmal etwas zusammen, v.a. wenn beide Eltern berufstätig sind.

Aber das, was wir hier bislang erlebt haben, sowohl bei den Stippvisiten beim Bringen und Abholen, während der Familien-Freizeit in der Jugendherberge in Lauterbach Ende September und auch aus den Berichten unserer Tochter, lässt das alles in einem anderen Licht erscheinen. 

Etwa die Atmosphäre auf dem Pausenhof: klar gibt’s hier auch die obligatorische Jugendsprache („Eh, Alter“), und ruhig und geordnet ist es hier natürlich auch nicht (Gott sei Dank!), aber irgendwie überschaubarer. Bei ca. 120 Schülerinnen und Schülern kennt man sich untereinander und auch Altersgrenzen, wie wir sie noch in unserer Schulzeit erlebt haben („Man spricht als Drittklässler doch nicht mit einem Erstklässler!“), sind hier durch die altersübergreifenden Lerngruppen nicht existent. Die Kinder wirken offen für neue Kontakte und grade die Erstklässler werden auch durch das tolle Konzept der Paten in ihren Lerngruppen schnell in die Gemeinschaft integriert. Nicht die Lernbegleiter weisen die Erstklässler in alles ein, was man so als Neuling über Infrastruktur und Abläufe wissen muss, sondern individuell die Paten, die „beim Ankommen“ zur Seite stehen.

Überhaupt ist es der Gemeinschaftsgedanke, der hier überall spürbar ist. Sei es in der Gestaltung des gemeinsamen Ernte-Dank-Festes oder in der Übernahme von bestimmten Rollen für die anderen (z.B. „Geburtstags-Wichtel“, die die monatlichen Geburtstags-Feiern für alle Kinder dieses Monats vorbereiten; „Kreis-Leiter“, die zu zweit für Ordnung in den regelmäßig stattfindenden  Besprechungskreisen der Lerngruppen sorgen; oder auch ganz schnöde der Mülldienst, der nach Schulschluss den Mülleimer leert). Für uns ist es wichtig, daß unsere Tochter lernt, soziale Verantwortung zu übernehmen, und das finden wir hier in dieser Schule wieder.

Abgesehen davon werden hier natürlich auch Kompetenzen und Wissen vermittelt (es handelt sich ja auch um eine Schule!), aber eben auch anders. Die Lernstrukturierung steht hier schon ab der ersten Woche mit auf dem Plan. Ich kam mir fast etwas chaotisch vor (und ich bin ein sehr strukturierter Mensch), als meine gerade so sechs Jahre alte Tochter mir in der dritten Woche erklärte, sie habe heute leider nicht weiter lesen üben können, weil in ihrem Lerntagebuch noch eine Aufgabe zur Erledigung offen gewesen sei... Wer also von unstrukturierter oder gar chaotischer Zeit in der sogenannten Freiarbeit ausgeht – weit gefehlt!

Die Montessori-Materialien zur Vermittlung von Inhalten haben nicht umsonst auch den Weg in die Regel-Grundschule gefunden. Wer bei den Elterninformationsabenden dabei ist, hat die Möglichkeit, ein bisschen neidisch zu werden, wie Kinder heute Zahlengrößen, Multiplikation oder Naturwissenschaften „begreifen“ können (zumindest ging es uns so). 

Und vor diesem Hintergrund ist die Elternarbeit und der eigene Einsatz eben auch nur konsequent. Warum sollten Kinder lernen etwas für die Gemeinschaft zu tun, wenn die Eltern das nicht auch vorleben?

Wem es noch nicht aufgefallen sein sollte, wir sind ziemlich begeistert von der Art, wie unsere Tochter hier lernen darf. Und nicht nur wir sind es, sondern unsere Tochter auch (was schließlich nicht unwesentlich ist). Vielleicht ist der oder die ein oder andere neugierig geworden oder fühlt sich angesprochen. Eine gute Gelegenheit, noch viel mehr Einblick zu bekommen ist der Tag der offenen Tür am 15.11.2014. Wir sind dabei ;-)

Mutter eines Schulanfängers