Aikido am Projekttag

Aikido am Projekttag

Wie schon im vergangenen Jahr, habe ich auch am Projekttag 2013 Aikido für Kinder angeboten. Aikido ist eine noch recht junge japanische Selbstverteidigungs- und Kampfkunst, die die sich aus alten japanischen Künsten wie dem Schwertkampf, dem Stockkampf und den waffenlosen Techniken entwickelt hat. Aikido zeichnet sich durch seinen defensiven und friedvollen Charakter aus: Ein wesentliches Anliegen ist es, dass alle Beteiligten nicht nur unverletzt, sondern gereinigt und bereichert aus der Konfrontation hervorgehen. Eine Übersetzung von „AIKIDO“ ist: Der Weg, die eigene Energie für eine harmonische Ordnung einzusetzen“.

 

 

(Die Kanjis (japanische Schriftzeichen) von AIKIDO und ein Portrait von Morihei Ueshiba (1883 – 1969), Begründer des Aikido, ausgemalt von Marlene)

Acht Kinder zwischen 6 und 9 Jahren haben sich angemeldet, eines ist an diesem Tag leider krank. Wir anderen treffen uns an der Schule und fahren von da aus mit der S-Bahn zu unserem aktuellen Trainingsraum in die TG Offenbach (meinen herzlichen Dank nochmal an Katharina Englert und Annette Menke, die uns auf der Hin- rsp. Rückfahrt begleitet haben, war doch angenehmer so). Hier liegen Matten aus, so dass wir beste Trainingsbedingungen haben.

 

 

Marlene, Simon, Noah, Leonie, Hannah, Aaron und Jasmina sitzen seiza in der Schülerlinie.

Seiza (japanisch für „Fersensitz“) hilft uns, dass wir uns besser auf uns selbst besinnen können und unsere Aufmerksamkeit schärfen. Außerdem bietet seiza die Gelegenheit eine entspannte aufrechte Haltung zu üben. Immer am Anfang und am Ende einer Trainingseinheit sammeln wir uns im seiza, aber auch, wenn wir etwas besprechen wollen oder ich etwas zeigen und erklären will.

Wenn ich während des Trainings zweimal in die Hände klatsche, ist das das Zeichen für die Kinder, sich wieder in die Schülerlinie zu setzen. Um das ein zu üben, spielen wir „Rennen und seiza“: Damit können sich die Kinder austoben (was ihnen sehr leicht fällt) und den (abrupten) Wechsel in die Ruhe trainieren (was schon schwieriger sein kann …).

 

Schildkrötenfangen...


 

… ist immer sehr beliebt bei den Kindern: Sie können sich vor dem Fänger schützen, indem sie zu Boden gehen – natürlich auf Aikido-Art. Also haben wir vorher ushiro ukemi geübt (auf dem Rücken abrollen und wieder aufstehen).

 

Die Sinne schärfen: Wir verlassen uns in der Regel sehr auf unsere Augen. Im Aikido (wie in jeder Kampfkunst) ist es aber unabdingbar, die Wahrnehmung auszudehnen, alle Sinne zu nutzen (übrigens auch im wahren Leben sehr wertvoll J). Hierfür machen wir unter anderem gerne „Blinde Spiele“, bei denen die Kinder die Augen schließen, und einige von diesen Spielen habe ich mit den Montessori Kindern gespielt.

 

 

Hier z. B. sehen wir, wie sich Leonie, Aaron, Hannah und Jasmina mit geschlossenen Augen über die Matte bewegen und versuchen, ihre Antennen (und manchmal auch ihre Arme, wenn sie der Sache noch nicht so recht trauen …) auszufahren, um mit dem ganzen Körper zu spüren, und zu lauschen, ob sich jemand anders gerade nähert, dem sie dann ausweichen. Gleichzeitig tasten sie mit ihren Füßen die Matte ab, damit sie merken, wo die Matte zu Ende ist. Die Kinder lieben diese Übungen, und auch, wenn es ihnen manchmal schwerfällt, diesem ungewohnten Wahrnehmungszustand zu trauen, ist sehr deutlich, wie gut ihnen die erdende Wirkung des Sich-Spürens tut.

 

Ausweichen

 

 

Ein wichtiges Grundprinzip im Aikido ist das Ausweichen vor dem Angriff, um von der neuen Position aus die Angriffsenergie umzulenken. Um dies zu üben, benutze ich mein Fukuro shinai benutzt: Ein geschlitzter und mit Leder ummantelter Bambusstab, der als Übungsschwert dient und aufgrund seiner Beschaffenheit keine Verletzungen bewirkt, wenn das Ausweichen doch mal nicht gelingt ...

In verschiedenen Varianten üben wir ausweichen, immer aus dem Zentrum, also von der Hüfte her, z.B. im Stehen den vorderen Fuß wegziehen, wie hier auf dem Foto zu sehen, oder auch unter dem Schnitt abtauchen (ohne sich zu krümmen), oder auf dem Rücken liegend das Becken zur Seite zu ziehen, ohne dem Angreifer den Rücken zu zudrehen. Dabei versuchen wir entspannt zu bleiben, weiter zu Atmen, und immer wieder bereit zu sein für den nächsten Schnitt oder Stich.

 

Technik

Am Schluss lernen die Kinder eine Aikido – Technik (hiervon gibt es leider kein Foto), die auf einen Griff am Handgelenk antwortet. Hier konnten sie konkret erfahren, was es bedeutet, den Angreifer nicht mit Muskelkraft zu Boden zu bringen, sondern vielmehr die Angriffsenergie durch geschickte Neupositionierung und den Einsatz der Körpermitte umzulenken und zu befrieden.

 

Abschluss in der Schule

Wegen der Fahrtzeiten der S-Bahn waren wir noch vor Ende der Schulzeit wieder zurück in der Schule, wo die Kinder zur Erinnerung Aikido - Ausmalbilder bekamen:

Mir hat der Tag große Freude bereitet, und ich hatte den Eindruck, dass die Kinder auch ganz zufrieden waren mit ihrer Aikido-Erfahrung.

 

 

 

Domo arigato!

(japanisch für „Vielen Dank“)

Annette, Mutter von Nikolas