Wichtige Bestandteile der Montessori-Pädagogik
Die vorbereitete Umgebung
In der Montessori-Pädagogik geht es nicht um beliebige Erfahrungen des Alltags, denn dafür müsste das Kind ja nicht in die Schule gehen, sondern um das Erfahren geistiger Strukturen, etwa des Dezimalsystems, des Schreibens und Lesens, der Grammatik, usw. Durch Worte des Lehrers kann das Kind diese Strukturen nicht zuverlässig aufbauen.
In einer Montessori-Umgebung fallen sofort die zahlreichen Materialien auf, die sorgfältig geordnet in Regalen auf den Zugriff des Kindes warten. Sie wurden ganz speziell für die jeweilige Altersgruppe der Kinder zusammengestellt.
In dieser besonders vorbereiteten Umgebung findet das Kind nun die Nahrung, um seinen geistigen Hunger zu stillen.
Das Montessori-Material
Wenn der Lehrer, wie zu hören war, nicht mehr der Mittelpunkt des Unterrichts ist, woher soll das Kind dann wissen, was und wie es lernen soll?
Diese Aufgabe übernimmt das Material. In ihm findet das Kind eine Leitlinie für einen Lernweg und seine Selbstbildung vor. Deshalb muss das Material von der Sache her korrekt und exakt sein. Es soll auch schön aussehen und sorgfältig verarbeitet sein, um die Kinder zur Arbeit anzulocken.
Im Material ist eine Fehlerkontrolle "eingebaut", damit das Kind seine Arbeit unabhängig vom Erwachsenen selbst kontrollieren kann. Jedes Material ist nur einmal im Zimmer vorhanden, so dass die Kinder sich absprechen müssen.
Der Gebrauch eines Materials wird von der Lehrerin dem einzelnen Kind exakt gezeigt. Damit erhält es quasi die Bewegungsspur für die zukünftigen Wiederholungen. Erst wenn es das Material kennt, kann es in der Freiarbeit zu einer echten Wahl kommen. Das Kind kann darin so oft und so lange mit einem Material arbeiten, wie sein Bedürfnis und Interesse danach sind.
In der Wiederholung, der Tätigkeit findet das eigentliche Lernen statt, nicht im Zeigen und Erklären durch den Lehrer.
Das Kind ordnet sich
Kinder müssen sehr viel lernen: die Namen der Dinge, deren eigene Gesetze, die Beziehungen der Dinge und Ereignisse untereinander, Zusammenhänge, Regeln, Zeichen. Diese Ordnungen müssen sie sich selbst aufbauen.
Die äußere Ordnung in der vorbereiteten Umgebung kann diesen Prozess unterstützen, ebenso wie die innere Ordnung im Material. Es hat einen hohen Grad an Struktur. Es hilft dem Kind, seine Erfahrungen und Eindrücke zu ordnen. Es gibt ihm Orientierung und Sicherheit.
Montessori unterscheidet in der Beschreibung von Kindern nur zwischen solchen, die geordnet sind und jenen, die ungeordnet sind. Ein wesentliches Ziel der Montessori-Pädagogik ist es, Kinder darin zu begleiten, Ordnungen zu finden, aufzunehmen, anzuwenden.
Konzentration
Worüber Eltern und Lehrer am häufigsten klagen, ist die mangelnde Konzentration von Kindern. Es gibt keinen Knopf, mit dem man das Programm "Nun konzentriere dich doch einfach!" beim Kind anschalten könnte.
Montessori beobachtete, dass sogar kleine Kinder sich tief und auf längere Zeit in eine Arbeit versenken können und große Ausdauer, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit an den Tag legen. Mehr noch, sie stellte fest, dass diese Kinder sich mit der Zeit veränderten, dass Unarten zurückgingen.
Diese Kinder bauten eine Arbeitshaltung auf, wurden selbstständiger und selbstbewusster. Kann man diese Konzentration hervorrufen? Auf direktem Wege sicherlich nie!
Die Szene, die Montessori beobachtete, fand im Kinderhaus statt. Das Kind hatte in der freien Arbeit ein es ansprechendes und ihm bekanntes Material selbst gewählt, sich einen Platz zur Arbeit ausgesucht und ohne Zeitvorgabe seine Tätigkeit aufgenommen. Das Material entsprach seinem Entwicklungsstand, war attraktiv und bedeutungsvoll für das Kind. Zugleich war es so anspruchsvoll, dass sich das Kind anstrengen und voll auf die Arbeit konzentrieren musste. Nach geleisteter Arbeit war es zwar erschöpft, doch gleichzeitig stolz und glücklich.
Diese Szene ist zum Vorbild und Ziel aller Anstrengungen von Montessori-Pädagogen geworden.
Stille
Besucher von Montessori-Einrichtungen sind beeindruckt von der Ruhe, die dort herrscht. Etliche Kinder arbeiten still für sich, andere sprechen leise miteinander.
Sie folgen dem Gebot, andere bei der Arbeit nicht zu stören. Ruhe und ungestörtes Arbeiten sind eine wichtige Voraussetzung für Konzentration. Maria Montessori hat dafür sogar spezielle Stilleübungen vorgesehen.
Freiheit und Disziplin
Dem Kind Freiheit zu lassen, ist ein wichtiges Anliegen der Montessori-Pädagogik Damit ist keine Schrankenlosigkeit gemeint, denn Freiarbeit, freie Wahl des Materials, des Arbeitsorts, der Arbeitsform und des Zeitraums sind an Regeln gebunden. Ebenso hat im Sozialen die eigene Freiheit dort ihre Grenzen, wo die der anderen beginnt.
Aus der freien Arbeit entsteht Disziplin. Diese ist keine von außen erzwungene, sondern eine innere Disziplin.
Jahrgangsmischung
Wie im Kinderhaus Kinder verschiedenen Alters zusammen leben, so sollte dies nach Montessori auch in der Schule fortgeführt werden. Dabei werden in der Regel drei Klassenstufen gemischt.
An reinen Grundschulen können es aber auch alle vier Stufen sein. Das jüngere Kind kann vom Älteren lernen und ihm nacheifern. Das ältere Kind wird Lehrer des jüngeren und übernimmt Verantwortung. So werden Kooperation und kommunikatives Lernen gefördert, Konkurrenz hingegen wird eingedämmt.
Soziale Verhaltensweisen wie Toleranz, Respekt für die Arbeit anderer und Rücksichtnahme auf die Rechte anderer können entstehen.
Neue Rolle für die Lehrer
Der Montessori-Pädagoge hat zuallererst die geistige Freiheit des Kindes zu respektieren. Er soll dem Kind dienen, seine Entwicklung fördern, ihm keine unnötige Hilfe aufdrängen, sondern ihm nur minimale Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Er ist verantwortlich für die Vorbereitung der Umgebung. Er muss dafür sorgen, dass das Kind genug Nahrung für seine Entwicklung findet und auf Ordnung und Struktur achten. Er weist gründlich ins Material ein, berät und beobachtet die Kinder.
und am Staatl. Seminar für Schulpraxis Pforzheim
